Der Bühnendarsteller:

Ein Dutzend Tipps und Bemerkungen

 

01.) Der Darsteller muss sich mit dem Stück und der zu spielenden Figur auseinandersetzen. Zum Beispiel: Rollenbiografie erstellen und Literatur über den Autor lesen. Theaterspielen erfasst den Menschen in seiner Ganzheit: Seine Sinne - sein Atem, die Stimme, die Sprache - seine Haltungen und Bewegungen - seine Vorstellungskraft und Fantasie - seine Wahrnehmungen, sein Denken und Handeln werden in die Arbeit mit einbezogen. Theaterspielen bedeutet Auseinandersetzung mit sich selbst, mit anderen und mit gesellschaftlichen Wirklichkeiten.

 

02.) Vor dem Auftritt überlegen: Woher komme ich?, Wo bin ich?, Wer bin ich?, Wozu bin ich hier?, Wohin gehe ich danach? Der Darsteller muss wissen was und warum er etwas tut. Er muss auch wissen, was er tat, dachte und sprach bevor die Szene beginnt oder er die Szene betritt. Dem Darsteller muss das Motiv für Text und Handlung klar sein, dann ist es auch für den Zuschauer.

 

03.) Von der ersten bis zur letzten Sekunde muss eine hundertprozentige Bühnenpräsenz (immer wach und konzentriert) vorhanden sein. Der Darsteller muss mit seiner Rolle „verschmelzen“. Von der Haarspitze bis zum Zehennagel. Dem Darsteller soll es möglich sein, die Rolle wie ein zweites Ich anzuziehen.

 

04.) Keine unmotivierten und nicht rollengerechten Bewegungen auf der Bühne, mit einer einzigen kleinen unnötigen Fingerbewegung kann die ganze Spannung aus der Szene genommen werden. Grundsätzlich auf zwei Füssen stehen und nicht schwanken.

 

05.) Emotionen und Handlungen auf der Bühne sollen „echt“ sein, das heisst glaubhaft und natürlich. Der Darsteller spielt nicht vor, sondern erlebt und stellt dar. Ihr müsst daran glauben was ihr sagt und macht, erst dann glaubt es euch das Publikum. Der Text kann hundertmal auswendig gesprochen werden, wenn ihr nicht daran glaubt und die Gefühle nicht stimmen, ist aller Text umsonst.

 

06.) Eure Figur, eure Rolle muss leben: Denkt, handelt, sprecht und fühlt so wie die darzustellende Person. Auch nach 60 Proben und 20 Aufführungen gilt unbedingt: jede Handlung und jeder Dialog muss immer wieder neu erlebt werden wie das allererste Mal. Der Spieler muss seine Partner und die Situation immer wieder neu aufnehmen, wahrnehmen und darauf eingehen. Jede Aktion löst eine Reaktion aus!

 

07.) Die drei wichtigsten Elemente der Darstellung: Glaubwürdigkeit (alles was ihr auf der Bühne macht, muss glaubwürdig sein), Überzeugungskraft (ihr müsst von dem was ihr macht überzeugt sein und ihr müsst diese Überzeugung dem Zuschauer vermitteln), Fantasie (ihr müsst imstande sein, euch alles vorzustellen).

 

08.) Bei Dialogen ist in der Regel der Augenkontakt zu halten. Seht aber nicht bereits im Voraus zum Partner, nicht vorreagieren. Hört zu was der Partner sagt, dadurch ergeben sich die Antworten meist von selbst, wie in der alltäglichen Konversation. Nicht auf ein Stichwort warten, das im wirklichen Leben auch nicht kommt.

 

09.) Allgemein darauf achten, dass laut, deutlich, glaubhaft und natürlich gesprochen wird. Sätze werden in der Regel am Schluss nach unten gesprochen, auch Fragen. Versucht der Situation entsprechend Gefühle in die Worte zu geben: Ironie, Zorn, Schadenfreude, Trauer, Freude etc. Der Text soll „leben“, sprecht so wie euch der Schnabel gewachsen ist. Denkt daran - das Publikum kennt den Text und Handlung nicht, also keine Angst vor Hängern oder Versprechern, gegenüber dem Publikum seid ihr immer im Vorteil.

 

10.) Proben heisst probieren, experimentieren, neues wagen, immer wieder neues entdecken, sich selbst (und die Rolle) kennen lernen.

 

11.) Vier wichtige Punkte für den Auftritt: Selbstvertrauen, Glaube an sich, Glaube an das eigene Können, Vertrauen auf den Mitspieler - Der Darsteller selbst entscheidet, ob er es schafft oder nicht. Denkt immer daran - die Bühne ist der sicherste Ort der Welt, es kann dir überhaupt nichts passieren.

 

12.) Und: Der Darsteller ist kein Einzelkämpfer. Er bildet zusammen mit den Mitspielern, der Regie, dem Bühnenbildner usw. ein Team, das nur funktioniert, wenn jeder den anderen akzeptiert und respektiert. Der Darsteller benötigt Ausdauer, positives Grunddenken, Toleranz und Verständnis. Nicht umsonst gilt Theater als eine wichtige Lebensschule.

 

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